Kontemplation

Die Kontemplation ist eine alte christliche Gebetsweise, die unter verschiedenen Namen bekannt ist. Man spricht vom Stillen Beten, dem Inneren Gebet, dem Herzensgebet, dem Jesus-Gebet, dem kontemplativen Beten oder eben der Kontemplation. In den letzen Jahrzehnten hat sich auch der Begriff Meditation durchgesetzt. Dieses Wort meint in christlicher Tradition allerdings etwas anderes, nämlich die Schrift-Meditation. Deshalb verwenden wir hier den Begriff Kontemplation. Gemeint ist damit eine schweigende Ausrichtung auf Gott.

Das kontemplative Beten ist in der Geschichte von vielen Heiligen und Nicht-Heiligen geübt und beschrieben worden. Bedeutende Persönlichkeiten sind Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz oder Meister Eckhart. In der jüngeren Vergangenheit haben Mönche wie Thomas Keating, John Main oder Willigis Jäger wichtige Beiträge geleistet – um nur wenige zu nennen. Die Betreiber dieser Website, evangelische und katholische Laien, folgen  dem Weg von Franz Jalics SJ, der in Gries (Oberfranken) lebt und lehrt. Die von ihm entwickelten Übungen (Exerzitien) führen hin zum Jesusgebet, zum stillen Verweilen vor Gott mit dem einfachen Wiederholen des Namens Jesus Christus.

Ein Übungsweg: Nun erfahren wir in der Stille, dass unsere Aufmerksamkeit unstet ist, dass wir immer wieder von Gedanken, Gefühlen und Bildern abgelenkt werden. Es ist also Übung vonnöten unsere Aufmerksamkeit immer wieder neu nach Innen zu richten, dem Ort der Gegenwart Gottes in uns. Die kontemplativen Exerzitien nach Franz Jalics bieten einen solchen Übungweg in konkreter Form an, von der Wahrnehmung mit den äusseren Sinnen (Natur- und Körperwahrnehmung) bis hin zu geistigen Wahrnehmungen (Stille, Ruhe, Frieden, Gegenwart) – bis die Aufmerksamkeit sich schliesslich (im Rahmen dessen, was uns Menschen möglich ist) auf die Gegenwart Gottes richten kann.

Selbsterkenntnis: Parallel zu diesen genannten Schritten geht es immer auch um eine vertiefte und ehrliche Selbstwahrnehmung. Auf dem Weg nach Innen, zur Quelle in unserer Tiefe begegnen wir immer auch uns selber, es geht nicht anders. Uns selber, mit all unseren erfreulichen und auch mit den weniger erfreulichen Seiten. Das kann Angst machen, weh tun, Widerstand hervorrufen. Aus diesem Grund sind wir in Bezug auf Gebet und Stille ambivalent: wir sehnen uns danach und gleichzeitig weichen wir aus. Es kann deshalb eine hilfreiche Ergänzung zum eigenen Üben sein, in einem Kurs gemeinsam mit anderen und mit erfahrener Begleitung zu meditieren. Sich das regelmäßige meditieren in einer Gruppe ist hilfreich und empfehlenswert.

Aktion und Kontemplation: Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass kontemplative Menschen sich aus der Verantwortung für die Welt und die Menschen entziehen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten kontemplativen Menschen stehen mitten im Leben und sind intensiv für ihre Mitmenschen engagiert. Allerdings verändert sich mit der Zeit die Qualität ihrer Aktivitäten durch ihre Ausstrahlung. Die Stille kann viel Klarheit, Freud und Kraft schenken. Die Wichtigkeit von Erfolg oder Misserfolg in den eigenen Aktivitäten relativiert sich. Der kontemplative Weg verändert sowohl die Beziehung zu Gott als auch zur Welt und den Menschen. Kontemplatives Gebet ist ein sehr konkreter Weg, das Wort Jesu aus der Bergpredigt zu verwirklichen: Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch dazugeschenkt werden.

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